Buchbesprechungen

Lesetipps 2013

Für Freunde der Satire: „Willkommen auf Skios“ von Michael Frayn | Nikki, die attraktive Assistentin von Mrs. Toppler, steckt mitten in den Vorbereitungen für die jährliche Hausparty der Stiftung ihrer Chefin auf der griechischen Insel Skios: ein paar wohlklingende Seminare, um die vielen wichtigen, klugen oder wohlhabenden Gäste zwischen den ausgedehnten Mahlzeiten zu beschäftigen, und als Höhepunkt vor dem großen Dinner der Gastvortrag von Dr. Norman Wilfred, einer internationalen Koryphäe. Nur ist der Mann, den sie am Flughafen abholt, nicht Dr. Wilfred, sondern der junge, gutaussehende Oliver Fox, der sich aus einer Laune heraus für Dr. Wilfred ausgibt. Oliver Fox ist ein Verführer. Seine blonden Haare, die rehbraunen Augen und dann erst das unwiderstehliche Lächeln. Die Frauen lieben ihn und er hasst sich dafür. Denn jetzt hat er es schon wieder getan: Oliver Fox verwandelt sich in jemand ganz anderen, just in dem Moment, als er aus dem Flughafen von Skios tritt. Nikki hält ihr Schild vor ihm in die Höhe und blickt ihn so erwartungsvoll an, da kann er einfach nicht widerstehen, zumal er gerade auf der Flucht vor einer anderen Frau ist. Als er dann zu ihr in den Wagen steigt, nimmt eine haarsträubende Verwechslungsgeschichte ihren Lauf, die nicht nur Oliver Fox‘ und Dr. Norman Wilfreds Leben nachhaltig verändern wird. Der Plot ist so raffiniert eingefädelt, dass der Leser erst ahnt, welche Katastrophe als nächstes ihren Lauf nimmt, wenn es schon wieder fast zu spät ist. In der einen Katastrophe liegt immer der Keim für die nächste. Eine wunderbare Satire auf diese pseudo-akademischen Anlässe, bei denen angeblich wichtige Leute einem Vortrag von einem noch wichtigeren Redner zuhören, von dem sie kaum etwas verstehen, das aber mit nichtssagendem Smalltalk elegant überspielen. Urkomisch und sehr aktuell!

 

Lesetipps 2012

Krimi für Frankreich-Liebhaber: „Bretonische Verhältnisse“ von Jean-Luc Bannalec | Kommissar Georges Dupin wurde aus Paris in die bretonische Provinz versetzt und lebt seit nunmehr 2 Jahren in Concarneau. Eines Morgens
wird er zu einem Mordfall gerufen: der 91-jährige Besitzer des legendären Hotel Central in Pont Aven wurde tot in seinem Restaurant gefunden. Aus welchem Grund wurde Pierre-Louis Pennec – der anscheinend von allen geschätzt und bewundert wurde – umgebracht? Wer hat den alten Mann getötet? Wieso wurde mit solcher Brutalität vorgegangen? Die Suche nach dem Täter und einem Motiv beginnt. Bereits der Einstieg in den Roman ist sehr gelungen, die Umgebung, das raue Klima, die ‚bretonischen Verhältnisse‘ werden authentisch und atmosphärisch beschrieben. Nebenbei erhält man Einblicke in die Mentalität der Bretonen, in Klima und Landschaft, in Kultur und Traditionen. Ein fesselnder Krimi,
durchzogen von hintergründigem Humor – Eine Krimisternstunde!

Lese-Tipp nicht nur für Radsportlerinnen: „Solange die Welt noch schläft“ von Petra Durst-Benning | Die drei Freundinnen Josefine, Isabelle und Clara stammen aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten – Isabelle ist die Tochter eines schwerreichen Unternehmers, Clara die Tochter eines Apothekers und Jo die Tochter eines Hufschmieds -, sind sie gute Freundinnen. Sie sind vereint durch ihre Vorliebe für das Anfang der Neunziger Jahre des 19.Jahrhunderts für Damen noch skandalöse Hobby des Radfahrens. Clara gibt das Radfahren nach einem Unfall bald auf, bleibt aber ihren beiden velo-besessenen Freundinnen dennoch verbunden, selbst als sie einen engstirnigen Arzt heiratet, der gegen den unschicklichen Radsport der Damen wettert und seine Frau ständig bevormundet. Isabelle und Jo fahren am frühen Morgen, also „solang die Welt noch schläft“, heimlich und in Männerkleidung durch Berlin. Auch nachdem Jo ihr „vorwitziges Verhalten“ mit einer Gefängnisstrafe büßen muss, lässt sie nach ihrer Haftentlassung nicht von ihrer Leidenschaft ab und schließt sich dem von Isabelle gegründeten Velo-Verein für Damen an.  Die drei Protagonistinnen sind fiktiv, bei der Schilderung der Entwicklung des Radsports hat die Autorin sich jedoch an die tatsächlichen Ereignisse der Zeit gehalten. In einem Nachwort gibt sie dazu nähere Informationen. In den Text sind viele zeitgenössische Illustrationen eingefügt, die dem Leser eine gute Vorstellung vom Aussehen der damaligen Räder und von der Radlerbekleidung der Zeit, z.B. spezielle Hosenröcke für die Frauen, vermittelt. Wer gute historische Romane über selbstbewusste Frauen mag und an der Epoche des ausgehenden 19.Jahrhunderts mit ihrem gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandel interessiert ist, ist mit diesem von der Thematik außergewöhnlichen Roman gut beraten!

Ein „blutiger“ Thriller: „Fünf“ von Ursula Poznanski | Ein Thriller, in dem Geocaching eine tragende Rolle spielt – Rätselaufgaben, deren Lösung Koordinaten sind – verspricht fesselnde Unterhaltung. Eine Frauenleiche mitten auf einer Kuhweide versetzt die Ermittler Beatrice Kaspary und Florin Wenninger in ein perfides Katz-und-Maus-Spiel mit einem Serienmörder. Der Täter nützt das Geocaching, die moderne Schnitzeljagd per GPS, um mit der Polizei, insbesondere mit Beatrice Kaspary, in Verbindung zu treten. Koordinaten und Hinweise auf die verschwundenen Personen halten die beiden Ermittler in Atem, der „Täter“ ist ihnen immer einen kleinen Schritt voraus und so beginnt
ein Wettlauf um das Leben der verschiedenen Opfer. Das Privatleben von Beatrice Kaspary spielt in dem Roman eine besondere und tragende Rolle – sie wird bis zum Äußersten in das Spiel des Täters miteinbezogen. Ursula Poznanski versteht es, die Spannung kontinuierlich zu steigern, man nimmt an den Gedankengängen der Ermittler teil und rätselt beständig mit, wer der Täter sein könnte und wie denn alles zusammenhängt. Die Auflösung ist schlüssig und nicht vorhersehbar. So muss ein guter Thriller sein!

Hochspannung pur aus Island: „Engelsstimme“ von Arnaldur Indridason | Der Portier eines Nobelhotels der isländischen Hauptstadt wird tot in seiner kleinen Kammer aufgefunden. Er trägt das Weihnachtsmannkostüm, mit dem
er der Star der Kinder der Hotelangestellten sein hätte sollen. Doch der Eigenbrötler, der scheinbar weder Freunde noch Feinde hatte wurde brutal erstochen. Langsam tastet sich die Reykjaviker Polizei an den Hintergrund heran – dass der Ermordete ein Kinderstar war, der eine Engelsstimme hatte ist schnell bekannt. Es beginnt eine Ermittlung, die sehr viele Spuren verfolgt. Das Bild rundet sich nur langsam, und sehr viele Fäden müssen zu einem Ganzen versponnen
werden: denn welche Rolle spielen der korrupte Hotelmanager und sein Kompagnon der Oberkellner; welche Bedeutung hat die Tatsache, dass der Tote vor Jahren seinen Vater in den Rollstuhl brachte und sich mit seiner Familie überwarf; und vor allem was hat es mit dem Plattensammler und Kinderschänder aus England auf sich, der kurz vor dem Tod des Portiers noch einen Termin mit ihm hatte und der sich einer Speichelprobe so vehement widersetzt? Viele Fragen – aber am Ende nur eine einzige schlüssige Antwort, die keine Frage offen lässt.

Ein spannender Krimi aus einer Gegend, die uns fremd und vertraut zugleich ist: „Kleiner Vogel, klopfendes Herz“ von Miriam Toews | Irma Voth ist eine junge Mennonitenfrau, die mit ihrer Familie in Mexiko lebt. Die Mennoniten sind eine im 16. Jahrhundert entstandene Glaubensgemeinschaft aus Europa. Sie leben streng nach den alten Regeln des Glaubens, gut behütet und abgeschirmt von der Neuen Welt. Irma ist mit Jorge verheiratet, einem Dealer. Sie wird von ihrer Familie verstoßen, als sie ihn heiratet, doch die Sicherheit, die sie sich von ihrem Mann erhofft, erhält sie nicht. Ihr Mann kommt und geht, wie er es für richtig hält, bis er sie schließlich verlässt und allein zurück lässt. Der Vater verbietet sämtlichen Kontakt zu Irma, doch die Mutter und die kleine rebellische Schwester besuchen sie heimlich. Als ein mexikanischer Regisseur beschließt, einen Film über die Mennoniten in Mexiko zu drehen, erhält Irma die Chance ihres Lebens. Sie arbeitet als Übersetzerin. Die fröhliche Lebensart, die seit dem Einzug des Filmemachers auf dem Land der Mennoniten herrscht, steigert den Unmut der Gemeinde. Irma spürt plötzlich,dass sie lebendig begraben wird, wenn sie nicht abhaut und nutzt die Gelegenheit, mit ihrer kleinen Schwester und dem Baby Xemina zu fliehen. Eine außergewöhnliche Geschichte, die nachdenklich macht und noch lange nachwirkt.

Romantischer Lese-Tipp: „Die Schmetterlingsinsel“ von Corina Bomann | Diana Wagenbach steht vor den Trümmern ihrer Ehe, als sie den Nachlass ihrer geliebten Tante in England auflösen muss. In ihren letzten Worten an Diana offenbart diese ihr ein lang gehütetes Familiengeheimnis, in der Dianas Urahnin Grace eine wichtige Rolle spielt. Und so begibt sich Diana auf die Suche nach ihren Wurzeln. Die Geschichte wird auf zwei Zeitebenen erzählt und Diana
entdeckt im gleichen Tempo wie ihre Ahnin Grace die wundervolle Insel Ceylon und vollkommen ungeahntes über ihre Vorfahren. Es wird eine Reise, die ihr Leben für immer verändern wird. Die Autorin hat intensiv recherchiert. Man erfährt viel über das alte Ceylon, angefangen bei der Palmblätterbibliothek bis hin zu der traditionellen Kampfsportart Kalarippayat. Man bekommt Einblicke in die faszinierende Kultur der Tamilen und auch die politischen Hintergründe, die das Land gebeutelt haben, werden jetzt klarer. Eine absolute Leseempfehlung für alle, die sich gerne von der Magie der Sprache verzaubern lassen und eintauchen möchten in fremde Kulturen.

 Urlaubs- Lektüre vom feinsten: „Das finstere Tal“ von Thomas Willmann | Ein abgelegenes Tal in den Hochalpen am Ende des 19. Jahrhunderts: Ein Fremder taucht auf, ein Maler, der in dem Dorf überwintern will. Widerwillig wird er aufgenommen, von der Dorfgemeinschaft mißtrauisch beobachtet – und beobachtet dabei selbst ganz genau. Dabei geht es sehr gemächlich zu, allerdings bestimmt von der düsteren Ahnung, daß diese Ruhe trügerisch ist und der Fremde vielleicht doch noch etwas anderes vorhat als das Leben im Tal zeichnerisch festzuhalten. In der zweiten Hälfte überschlagen sich dann die Ereignisse – und abermals ist der Leser mittendrin, nicht mehr ruhig und gemächlich, sondern in einer verstörenden Spirale aus Blut und Gewalt. Ein in seiner Form außergewöhnlicher Alpenroman, Krimi und Western: ein kühner Mix, aber absolut gelungen.

Heitere Sommer – Lektüre: „Im Zweifel für den Angetrauten“ von Christina Hopkinson | Mary kann sich jederzeit auf ihren Mann Joel verlassen – außer dann, wenn es um den Haushalt und die Erziehung der beiden Söhne geht. Der vermeintliche Göttergatte trägt Mary schon längst nicht mehr auf Händen und benimmt sich – jedenfalls in der Nähe seiner Ehefrau – immer öfters wie ein kleines Kind, das seine Ohren auf Durchzug gestellt hat. In dieser schweren Zeit ist es nicht sonderlich von Vorteil, dass Mary aus Liebe zu ihrem Nachwuchs ihren Traumjob an den Nagel gehängt hat, während Joel von frühmorgens bis spätabends arbeitet. Und trotzdem gelingt es ihm immer wieder, überall für Unordnung zu sorgen. Egal, wo er steht und geht – alles, was er einmal in den Händen hatte, muss er an Ort und Stelle fallen lassen. Doch jetzt hat Mary davon genug. Eine brillante Idee soll entscheiden, ob die Beziehung überhaupt noch eine Zukunft hat: eine ganz besondere Liste, auf der jeder Fehler, den er begeht, verzeichnet ist. Und tatsächlich stellt sich bald schon ein Erfolg ein. Doch am Ende bleibt noch eine Frage: Ist das der Mann, mit dem sie den Rest ihres Lebens verbringen möchte? Die Geschichte ist witzig, wortgewandt und einfach unglaublich treffend!

Lese-Tipp: „Fremde Schwestern“ von Renate Ahrens | Was passiert, wenn Geschwisterliebe in Hass umschlägt? Franka und Lydia waren einst ein Herz und eine Seele. Für Lydia war Franka Mutterersatz und Schwester zugleich. Wenn die Mutter mal wieder weggetreten und nicht ansprechbar war, hat Franka sich um ihre Schwester gekümmert. Franka bedeutete für ihre Mutter das „Karriereaus“. Das lässt sie ihre Tochter oft spüren. Lydia hingegen wird von der Mutter geliebt. Die Eltern lassen die knapp dosierte Zuneigung nur jeweils einem Kind zukommen und treiben so einen Keil zwischen die beiden. Lydia ist ein unsteter Geist, konsumiert Drogen und verschwindet immer wieder für längere Zeit. Taucht sie wieder auf, muss Franka sich um alles kümmern. Als Lydia ein Kind bekommt, verschwindet sie ganz. Und dann steht nach 5 Jahren plötzlich Lydia an der Tür. Sie und ihre Tochter Merle wirken unterernährt und verwahrlost.  Langsam schaffen es die Schwestern die Schärfe aus ihren Stimmen zu nehmen und die gegenseitigen Beschuldigungen klingen ab. Fast blitzt durch die verhärtete Fassade eine Liebe auf, wie damals, als sie klein waren. Renate Ahrens zeigt auf, wie wichtig ein intaktes Familienleben ist und welche Verantwortung bei den Eltern liegt. Ein berührender und schockierender Roman.

Witzig, spannend, traurig, tragisch – eine besonders schöne Geschichte über das Erwachsenwerden: „Rubinrotes Meer, Eisblaue See“ von Morgan Callan Rogers | Ein Fischerdorf in Maine in den sechziger Jahren. Hier lebt die junge Florine geborgen bei ihren Eltern und Großeltern bis ihre geliebte Mutter Carlie von einem Tag auf den anderen verschwindet. Auf einmal ist für Florine nichts mehr wie vorher, alle Nachforschungen führen ins Nichts, und die Frage, ob Carlie tot ist oder freiwillig ihr Zuhause verließ, wird Florine in den nächsten Jahren nicht mehr loslassen. Dass das Leben um sie herum weitergeht, empfindet sie als Zumutung: Ihr Vater nähert sich seiner Jugendliebe wieder an, ihre Großmutter altert zusehends, und ihr bester Freund interessiert sich nur noch für seine neue Freundin. Anrührend und schlagfertig erzählt Florine vom Erwachsenwerden und davon, was es heißt, sich selbst treu zu bleiben.

Ein Krimi für Feinschmeckerinnen: „Die dünne Frau“ von Dorothy Cannell | An Cornwalls wilden Klippen spielt diese herrlich komische Erbschafts- und Schatzsuche-Klamotte. In „Die dünne Frau“ von Dorothy Cannell gibt es zwar einen Toten, aber der entpuppt sich am Ende… – nein, wird natürlich nicht verraten. Trotz eines Toten und mehrerer Mordanschläge ist dieser Roman eigentlich kein Krimi,  sondern eher eine romantische Liebesgeschichte. Die Auflösung des Rätsels, wer denn nun hinter den Anschlägen auf Ellie Haskell steckt, ist sekundär, wie eigentlich der gesamte Plot. Wichtiger und interessanter sind die skurrilen Charaktere, die Dorothy Cannell zeichnet. Das fängt an bei Merlin, dem spinnerten Hausherren, der sehr schnell das Zeitliche segnet und ein absolut verrücktes Testament hinterlässt, schließt jeden der raffgierigen Verwandten ein und endet ganz sicher nicht bei der etwas übergewichtigen Protagonistin Ellie Haskell. Freche Wortgefechte würzen die köstliche Mischung aus moderner Liebesgeschichte und romantischem Thriller!

Der große Überraschungserfolg aus Schweden! „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ von Jonas Jonasson | An seinem einhundertsten Geburtstag, klettert Allan Karlsson aus dem Fenster seines Zimmers im Altenheim und drückt sich so vor der eigenen Geburtstagsfeier. Sein erstes Ziel ist der Busbahnhof, an dem er mit dem erst besten Bus fährt soweit ihn seine 50 Kronen bringen – und da der junge Mann, dessen Koffer Allan in der Zwischenzeit beaufsichtigt, nicht rechtzeitig von der Toilette zurückkehrt, nimmt Allan das Gepäckstück gleich mit. Unglücklicherweise ist der junge Mann Mitglied einer kleinen Gangstergruppe und der Koffer prall gefüllt mit Geld. Die Verfolgung beginnt. Neben der Flucht quer durch Schweden springt der Roman immer wieder in die Vergangenheit und schildert chronologisch Allans bisheriges Leben. Schon in jungen Jahren bereist der politisch eigentlich uninteressierte
und überaus gutmütige Allan die ganze Welt, ist „zufällig“ beteiligt an diversen historischen Ereignissen und trinkt Schnäpse mit (unter anderem) General Franco, Präsident Truman und Stalin… Sprachlich und inhaltlich ein gelungenes Buch über einen ganz schön munteren Hundertjährigen, das für viele Stunden fesselt und unterhält. Klare Leseempfehlung!

Lese-Tipp für Kassel-Krimi Fans: „Menschenopfer“ von Matthias P. Gibert | Der neue Gibert ist da! Ein alter Bekannter für die Immenhäuser Leser, der auch schon bei einer Lesung hier in der Stadt- und Schulbücherei vor zwei Jahren seine Zuhörer begeisterte! Wieder schafft es Matthias P. Gibert hochaktuelle Themen in einem authentischen Kriminalroman zu verpacken: Lebensmittelskandale, wirtschaftliche Interessen und der geringe Wert eines Menschenlebens. Hideo Asami, Küchenhilfe in einem Sushi-Restaurant in Kassel, plagen Unwohlsein und Übelkeit. Als ihm die Haare büschelweise ausgehen, verschwindet er plötzlich spurlos. Wenige Tage später werden drei verkohlte Leichen in einer Laube entdeckt, Hauptkommissar Paul Lenz übernimmt die Ermittlungen. Ein weiterer Angestellter des Sushi-Restaurants leidet unter den gleichen Beschwerden wie sein Kollege, weigert sich jedoch zum Arzt zu gehen, da er sich illegal in Deutschland aufhält und nicht krankenversichert ist. Als auch er verschwindet, verschärft sich die Situation dramatisch.

Lesetipps 2011

Humorvolle Unterhaltung für graue Vorfrühlingstage: „Göttin in Gummistiefeln“ von Sophie Kinsella | Samantha Sweeting, 29 Jahre jung, Anwältin und Workaholic ist fast am Ziel ihrer Träume: es winkt eine Teilhaberschaft an einer renommierten Londoner Anwaltskanzlei. Leider unterläuft ihr scheinbar auf der Zielgeraden ein kleiner, aber millionenschwerer Fehler, der ihren Traum zerplatzen lässt wie eine Seifenblase. Traumatisiert verlässt sie London und wird aufgrund eines Missverständnisses in einem beschaulichen Ort als Haushälterin angestellt – ein Berufsfeld auf dem die versierte Anwältin so gar keine Ahnung hat. Doch zum Glück gibt es den Gärtner Nathaniel, mit dessen Hilfe Samantha nicht nur lernt, wie man einen Haushalt schmeißt. Leider mag Nathaniel keine Anwälte, so dass die Wahrheit über Samantha ein Geheimnis bleiben muss. Da ist der nächste Eklat vorprogrammiert…Richtig lustig wird’s spätestens als Samantha Schmetterlinge im Bauch hat, sobald sie Nathaniel sieht, ab da hat die Geschichte Lachgarantie. Insgesamt ein nettes Lesevergnügen, es sind ein paar kurzweilige Lesestunden garantiert.

Lese-Tipp für Natur- und besonders Vogel-Freunde: „Im Herzen des Tals“ von Nigel Hinton | Im klirrenden Januar beginnt die Geschichte der kleinen Heckenbraunelle. Ein Jahr begleiten wir den winzigen Vogel: beim erfolgreichen Überstehen des eiskalten Winters, bei der Suche nach einem Gefährten und der Gründung einer Familie in ihrem kleinen englischen Tal. Die Hauptperson (in England ähnlich verbreiteter Vogel wie bei uns der Spatz) hat keinen Namen bekommen und heißt einfach nur „die Braunelle“. Erzählt werden die Geschichten mehrer Lebewesen, die irgendwann miteinander zu tun bekommen. Das Braunellen-Pärchen, ein Kuckuck-Weibchen, eine Fuchs-Familie, weitere Vögel und auch ein paar Menschen, die Bewohner des Tals; allesamt sehr große Naturliebhaber. Man leidet sehr mit den Vögeln, identifiziert sich mit Ihnen (obwohl sie keine Namen haben) und wünscht sich, die Geschichte könnte ein bisschen weniger traurig sein. Ein winziges Happy-End gibt es am Ende dann doch… Das Ganze ist sehr liebevoll und detailliert erzählt. Für einen Vogel- oder Naturliebhaber ist das Buch ein Erlebnis.

Alle Buchbesprechungen sind von Maren Herr, Schul- und Stadtbibliothek Immenhausen