Infos zur Wiederaufnahme des Schulbetriebs: Leistungsnachweise, Zeugnisse, Versetzung und Schulleben

Mit Schreiben vom 30.4.2020 hat das Hessische Kultusministerium schulrechtliche Fragen zur Leistungsbewertung, Versetzungen, Abschlüssen und weitere Verfahren sowie Entscheidungen im Zusammenhang mit der Aussetzung sowie der Wiederaufnahme des Unterrichts im Schuljahr 2019/2020 an die Schulleitungen geschickt. Wir geben hier eine Zusammenfassung. Für unsere Schule nicht relevante Inhalte wurden gelöscht, die Nummerierung beibehalten.

  1. Leistungsbeurteilung und Leistungsbewertung 

a)Zeitraum 16. März 2020 bis 26. April 2020

Schülerinnen und Schüler mussten bzw. müssen dem Unterricht bis zum 26. April 2020 fernbleiben. Für diesen Zeitraum ist keine Grundlage für eine Benotung gegeben. Deshalb erfolgt nach Wiederaufnahme des Unterrichtsbetriebs am 27. April 2020 keine Benotung des Wissens und der Kompetenzen, die sich Schülerinnen und Schüler in der unterrichtsfreien Zeit selbst angeeignet haben. Notwendig wird es indessen sein, dass die Lehrkräfte nach der Wiederaufnahme des Unterrichts die Lernstände der Schülerinnen und Schüler ermitteln und die Inhalte der Lernangebote aus der Zeit des heimischen Lernens im Unterricht aufgreifen und vertiefen. Nach einer solchen Phase der Behandlung im regulären Unterricht können diese Inhalte zu einem geeigneten Zeitpunkt mittelbar Gegenstand von Leistungsnachweisen werden und insofern zu einem späteren Zeitpunkt einer Benotung unterliegen. Ebenso ist es unter pädagogischen Erwägungen für die Lehrkraft möglich, besondere Leistungen der Schülerinnen und Schüler, die während des heimischen Lernens erbracht wurden, entsprechend zu berücksichtigen, indem diese Leistungen positiv in die Gesamtbetrachtung einfließen.

b) Wiederaufnahme des Unterrichtsbetriebs zu einem späteren Zeitpunkt

Für Schülerinnen und Schüler, die vorerst nach dem 26. April 2020 keinen Präsenzunterricht erhalten, werden überwiegend die unterrichtsersetzenden Lernsituationen ohne Leistungsbewertung fortgeführt.

c) Befreiung vom Schulbetrieb (Risikogruppe)

Schülerinnen und Schüler, die bei einem Infekt mit dem SARS-CoV-2-Virus dem Risiko eines schweren Krankheitsverlaufs ausgesetzt sind, sind vom Schulbesuch weiter befreit. Gleiches gilt für Schülerinnen und Schüler, die mit Angehörigen einer Risikogruppe im Sinne des vorangegangenen Satzes in einem Hausstand leben. Auf Grundlage einer in Kürze erfolgenden befristeten Verordnungsänderung ist eine Freistellung vom Schulbesuch in beiden Fällen bei der Schulleiterin oder dem Schulleiter (mit ärztlichen Attest) zu beantragen. Es obliegt den Eltern, die Entscheidung zu treffen, ob die Schülerin, der Schüler am Präsenzunterricht und den Prüfungsvorbereitungen vor Ort teilnehmen soll – notwendig ist eine schriftliche Erklärung. Wenn nach Abwägung aller Risikofaktoren ein Schulbesuch weiterhin als risikobehaftet eingeschätzt wird, sollen individuelle Lösungen für eine Beschulung und Prüfungsvorbereitung vor Ort durch unterrichtsersetzende Lernsituationen und zur Prüfungsteilnahme gefunden werden. In diesem Fall sollte besonders für die Prüfungsvorbereitung und Prüfungsdurchführung auf alle im System vorhandenen Ressourcen und der Schülerschaft bekannten Lehrkräfte zurückgegriffen werden. (Anm. Hier können die Klassenlehrer/innen Vorschläge machen, etwa durch Teilnahme am Unterricht via Internet (Videoschaltung), postalische oder digitale Versendung aller relevanten Unterrichts- und Übungsmaterialien, individuell festgelegte Besprechungs- und Beratungszeiten in einem 1:1 Setting mit einer Lehrkraft. Auch ein Hausbesuch ist in Ausnahmefällen möglich, sofern die Lehrkraft dies gewährleisten kann.) Die Prüfungsteilnahme kann in einem separaten Raum stattfinden, wenn von schulischer Seite eine Aufsicht über die komplette Bearbeitungszeit gestellt werden kann.

  1. Zeugnisse

Die Schülerinnen und Schüler, die ab dem 27. April 2020 wieder die Schule besuchen, erhalten Zeugnisse nach § 74 Abs. 2 Satz 2 HSchG. Das Zeugnis am Ende des Schuljahres weist den Leistungsstand aus, der während des gesamten Schuljahres erreicht wurde. 19 Abs. 1 VOGSV sieht vor, dass Fachnoten, die zum Ende des Schuljahres erteilt werden, die Leistungen der Schülerin oder des Schülers des gesamten Schuljahres unter Berücksichtigung der individuellen Lernentwicklung zugrunde zu legen sind, wobei der erreichte Leistungsstand am Ende des Schuljahrs den Schwerpunkt bildet. Schülerinnen und Schüler, die zu einem späteren Zeitpunkt wieder zur Schule gehen, erhalten eine Leistungsbewertung, die sich auf die Leistungen im ersten Schulhalbjahr und auf nur teilweise erbrachte Leistungen im zweiten Schulhalbjahr stützt. Wird für einzelne Jahrgänge der reguläre Schulbetrieb gar nicht mehr bis zu den Sommerferien aufgenommen, liegen den Zeugnisnoten faktisch nur die Leistungen des ersten Schulhalbjahres und der wenigen bis keinen Leistungen im zweiten Schulhalbjahr bis zum 13. März 2020 zugrunde.

Konnten im zweiten Schulhalbjahr Leistungen aufgrund der zeitweisen Anordnung des Fernbleibens vom Unterricht nur in geringem Umfang erbracht werden, ist das zweite Halbjahr nicht stärker zu gewichten.

Eine prozentuale Angabe, wie viel Unterricht tatsächlich stattgefunden haben muss, um zu einer leistungsgerechten Bewertung zu kommen, ist pauschal nicht möglich, es soll eine pädagogisch angemessene Leistungsbeurteilung erfolgen.

a) Leistungsnachweise

Im Schuljahr 2019/2020 kann die Mindestzahl um mehr als je eine Arbeit gekürzt werden, wenn in einer Lerngruppe infolge der zeitweisen Anordnung des Fernbleibens vom Unterricht aufgrund der Corona-Virus-Pandemie das Anfertigen aller schriftlichen Leistungsnachweise nicht möglich ist.

b) Zeugnis

Da die Schülerinnen und Schüler nicht verpflichtet waren, die Schule während der Schulschließungen zu besuchen, müssen diese Tage auch nicht entschuldigt werden und tauchen in keiner Weise als Fehltage auf. Die Zeugnisse enthalten keine Bemerkung, dass der reguläre Unterrichtsbetrieb aus Gründen der öffentlichen Gesundheitsvorsorge zeitweise nicht stattgefunden hat. Bei Schülerinnen und Schülern, die trotz nicht mehr bestehenden Betretungsverbots und ohne Vorliegen einer Befreiung die Schule versäumen, weil Eltern sie Gesundheitsgefahren ausgesetzt sehen, obwohl sie keiner Risikogruppe angehören, sind die Fehltage grundsätzlich als „unentschuldigt“ im Zeugnis anzugeben. Die Zeugniserteilung und -ausgabe erfolgen mit Ausstellungstag letzter Unterrichtstag des Schulhalbjahres, auch dann, wenn Schülerinnen und Schüler bis zu diesem Tag die Schule nicht mehr betreten dürfen.

  1. Versetzungen 

Grundsätzlich werden die Versetzungsentscheidungen auf der Grundlage der Noten im Jahreszeugnis getroffen. Werden die Versetzungsbedingungen in diesem Schuljahr nicht erfüllt, erfolgt trotzdem ein „Aufrücken“ in die höhere Jahrgangsstufe. Im Rahmen der Versetzungskonferenzen kann auch über freiwillige Wiederholungen entschieden werden.

a) Freiwillige Wiederholung im gymnasialen Bildungsgang

In den Fällen, in denen der vor der Zeit der Schulschließung gezeigte Leistungsstand der Schülerin oder des Schülers eine erfolgreiche Mitarbeit in der nächsthöheren Jahrgangsstufe nicht erwarten lässt oder in denen im weiteren Verlauf des Schuljahres eine erfolgreiche Teilnahme am Unterricht des nächsthöheren Schuljahrgangs unter Berücksichtigung der Lernentwicklung der Schülerin oder des Schülers nicht zu erwarten ist, sind die Eltern bzw. bei Volljährigkeit die Schülerinnen und Schüler rechtzeitig zu beraten und auf die Möglichkeit, einen Antrag auf freiwillige Wiederholung zu stellen, hinzuweisen.

b) Freiwillige Wiederholungen in der Primarstufe und der Sek I:

Ein freiwilliger Rückgang ist grundsätzlich bis drei Wochen vor dem Termin der Zeugnisausgabe möglich und eine zweite freiwillige Wiederholung der Jahrgangsstufe, die zum Zeitpunkt der Antragstellung wiederholt wird, ist zulässig.

  1. Übergänge in andere Bildungsgänge und weitere Aufnahmeentscheidungen 

In den Fällen, in denen die Aufnahme bzw. der Übergang an die Versetzung in die nächsthöhere Jahrgangsstufe gebunden ist, erfolgt die Aufnahme auf der Grundlage der Regelungen in Nr. 3. zu möglichen Versetzungen. Da auf zwangsweise Nichtversetzungen verzichtet wird, ist entsprechend bei den im Rahmen von Aufnahmeentscheidungen erforderlichen Eignungsempfehlungen davon auszugehen, dass eine erfolgreiche Teilnahme am Unterricht des gewählten Bildungsganges erwartet werden kann.

  1. Gleichstellung mit dem Hauptschul- oder Realschulabschluss 

In diesem Schuljahr erfolgt eine Versetzung in die nächsthöhere Jahrgangsstufe auch ohne Vorliegen der Versetzungsbedingungen. Dies hat zur Folge, dass auch eine Gleichstellung des Versetzungszeugnisses mit dem Hauptschulabschluss oder dem Realschulabschluss auszusprechen ist.

  1. Entscheidungen über Verweildauern (Erfüllung der Schulpflicht)

Je nach Einzelfall könnte es durch weitere Nichtversetzungen oder freiwillige Wiederholungen in anderen Schuljahren zu einer Überschreitung von vorgesehenen Verweildauern kommen. Um die betroffenen Schülerinnen und Schüler nicht schlechter zu stellen als diejenigen, die versetzt werden, sind Vorgaben über Verweildauern … außer Betracht zu bleiben. (Anm. Wer also seine Schulpflicht erfüllt hat, darf deshalb nicht ausgeschlossen werden, sondern kann versetzt werden.)

  1. Umgang mit Erkrankungen bei Schülerinnen und Schülern 

Für Schülerinnen und Schüler, die nach § 3 Abs. 1 Satz 3 der Zweiten Verordnung zur Bekämpfung des Corona-Virus vom 16. März in der jeweils geltenden Fassung von der Anordnung, dem Unterricht und anderen regulären schulischen Veranstaltungen fernzubleiben, nicht umfasst sind und daher im Rahmen der zu beachtenden Vorgaben wieder am Unterricht teilnehmen, gelten die Beschränkungen des § 2 Abs. 4 der Zweiten Verordnung zur Bekämpfung des Corona-Virus entsprechend. (…)

Zeigen Schülerinnen und Schüler im Unterricht oder während regulärer schulischer Veranstaltungen Krankheitssymptome, sind die Vorgaben des Hygieneplans zum Umgang zu beachten. Eine Beschulung im Unterricht oder eine Wiederaufnahme der Beschulung im Unterricht kann erst nach Rücksprache mit dem zuständigen Gesundheitsamt oder aufgrund ärztlicher Bescheinigung wieder erfolgen.

Eine freiwillige Teilnahme von schwangeren Schülerinnen an Abschlussprüfungen ist möglich, auch wenn die Schulpflicht ruht.

  1. Notwendige Praktika insbesondere im Bereich beruflicher Schulen 

Sofern (abgeschlossene) Praktika von Schülerinnen und Schülern sowie Studierenden Aufnahme-, Versetzungs- oder Zulassungsvoraussetzung oder Voraussetzung für die Zuerkennung von Abschlüssen sind, so ist die Nichterbringung eines entsprechenden Nachweises dann unerheblich, wenn das betreffende Praktikum aufgrund der Umstände der Corona-Pandemie nicht oder nicht in vollem Umfang erbracht werden konnte. Unberührt davon bleibt der Nachweis von zukünftigen Praktikumsplätzen als Aufnahmevoraussetzung (z.B. FOS A) … (Anm: Unsere Schülerinnen und Schüler müssen sich also weiterhin einen Praktikumsplatz suchen.)

  1. Umgang mit Betriebspraktika 

Sofern Betriebspraktika aufgrund der Umstände der Corona-Pandemie nicht erbracht werden können, erfolgt im Zeugnis unter Bemerkungen der Hinweis, dass eine Teilnahme am Betriebspraktika aus von der Schülerin oder dem Schüler nicht zu vertretenden Gründen nicht möglich war. Entsprechend ergeht der Hinweis bei einem nicht in vollem Umfang erbrachten Betriebspraktikum, dass eine vollständige Teilnahme am Betriebspraktikum aus von der Schülerin oder dem Schüler nicht zu vertretenden Gründen nicht möglich war. (Anm. Die schon besorgten Plätze müssen von den Schülerinnen und Schülern der Klassen P8 und M8 abgesagt werden.)

  1. Abweichungen im Beschlussverfahren bei Konferenzen oder Gremien 

In Umsetzung der geltenden Verordnungslage zur Bekämpfung der Ausbreitung des Coronavirus kann eine Beschlussfassung innerhalb der schulrechtlichen Gremien nicht in der gewohnten Präsenzform stattfinden, soweit die geltende Hygiene,- insbesondere Abstandsregelungen nicht eingehalten werden können. Stattdessen können Konferenzen unter Wahrung der Anforderungen des Datenschutzes auch in elektronischer Form stattfinden. Die Teilnahme an der elektronischen Konferenz steht in diesem Fall der Anwesenheit gleich.

  1. Elternabende und Elternversammlungen

Klassen- und Kurselternversammlungen dürfen nur abgehalten werden, wenn sie unabdingbar sind. Dabei ist auf die Einhaltung des Mindestabstandes zu achten. Video- oder Telefonkonferenzen sind unter Wahrung der Vorgaben des Datenschutzes zu bevorzugen.

  1. Sonderpädagogisches Überprüfungsverfahren und Bündniskonferenzen der Inklusiven Schulbündnisse 

Soweit zur Vorbereitung einer Entscheidung sonderpädagogische Überprüfungen erforderlich werden, sind die Kinder, Jugendlichen und volljährigen Schülerinnen und Schüler verpflichtet, sich untersuchen zu lassen und an wissenschaftlich anerkannten Testverfahren teilzunehmen. Förderausschüsse in Präsenzform finden nur statt, wenn sie unabdingbar sind und die geltenden Hygiene-, insbesondere Abstandsregeln eingehalten werden können. Liegen diese Voraussetzungen nicht vor und kann der Förderausschuss auch nicht in elektronischer Form stattfinden, darf keine Förderausschusssitzung abgehalten werden.

  1. Schulfahrten 

Bereits durch das Schreiben von Herrn Kultusminister Prof. Dr. Lorz vom 17.04.2020 erging der Hinweis, dass Schulfahrten wie Schüleraustausche, Studien- und Klassenfahrten aufgrund der unklaren Reiselage in vielen Regionen und Ländern bis zum Beginn der Herbstferien nicht stattfinden können. Auch Betriebspraktika, Wanderungen, Exkursionen und der Besuch außerschulischer Lernorte entfallen in dieser Zeit, damit sich die Schulen in den ersten Wochen nach den Sommerferien voll auf den Unterricht und ggf. die Kompensation von ausgefallenem Lernstoff konzentrieren können. Es gelten die bereits kommunizierten Regelungen zur Kostenübernahme durch das Land.

Angesichts des noch unklaren weiteren Pandemieverlaufs sollen Schulen zudem bis auf Weiteres keine Neubuchungen von Klassenfahrten außerhalb Deutschlands für das Schuljahr 2020/21 vornehmen.

Da diese Vorgaben zu reduzierten Gruppengrößen und Abstandsregelungen bei Schulfahrten nicht gewährleistet werden können, sind insbesondere diese, aber auch andere schulische Veranstaltungen, welche den Hygiene-Vorgaben widersprechen, unzulässig. (Anm. Das betrifft auch die Abschlussfeiern.)

Das Schreiben finden Sie in der kompletten Fassung unter https://kultusministerium.hessen.de/schulsystem/umgang-mit-corona-schulen/fuer-schulleitungen/schreiben-schulleitungen/schulrechtliches-informationsschreiben-im-zusammenhang-mit-der-aussetzung-und-wiederaufnahme-des (Stand: 05.05.2020)

Stand: 5.5.2020

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